Kreativitätskonzept

Kreativität ist die Kompetenz für ein problemlösungsorientiertes Denken, Lernen und Handeln. Unter Kompetenzen verstehen wir in Anlehnung an den Psychologen Franz Emanuel Weinert „die bei Individuen verfügbaren oder durch sie erlernbaren kognitiven Fähigkeiten und Fertigkeiten, um bestimmte Probleme zu lösen sowie die […] Bereitschaft und Fähigkeit, die Problemlösungen in variablen Situationen erfolgreich und verantwortungsvoll nutzen zu können“. Franz Emanuel Weinert war ein bedeutender deutscher Psychologe und Vizepräsident der Max-Planck-Gesellschaft. Er hat die Bildungsreform in Deutschland seit den 1990er Jahren maßgeblich geprägt.

Unser Ansatz der Kreativitätspädagogik ergänzt Weinerts Definition und dessen Beschränkung auf die kognitive Problemlösungsfähigkeit um die sprachlich-kommunikative, die künstlerisch-ästhetische, die psychomotorische und die sozial-emotionale Dimension.

Kreativitätspädagogik im Schulalltag

Die Kreativitätspädagogik zeichnet sich durch Methoden aus, diese Fähigkeiten und Merkmale im Schulalltag zu fördern. Unser Ansatz in den kreativitätspädagogischen Einrichtungen ist die Implementierung kreativitätspädagogischer „Fächer“ unter Berücksichtigung und in Bezugnahme zu den Berliner Rahmenlehrplänen in den Schulen und dem Berliner Bildungsprogramm in den Kitas.

Der Dachverband Kreativitätspädagogik macht diese Krea-Rahmenpläne zugänglich. Gemeinsam mit den anderen Mitgliedern des Dachverbandes entwickeln wir in einem praxistheoretischen Prozess die Curricula der so genannten Krea-Fächer fort. Die fachliche Begleitung stellt der Dachverband sicher. Vor allem Prof. Dr. habil. Frank Schulz, der die Grundlagen für die Rahmenpläne geschaffen hat, begleitet diesen Prozess. Schulz ist Professor für Kunstpädagogik und Kunstdidaktik und Leiter des Institutes für Kunstpädagogik der Universität Leipzig und Vorstand des Dachverbandes Kreativitätspädagogik.

Der Forschungsschwerpunkt des Leipziger Professors sind Probleme der künstlerischen Kreativität und deren Entwicklung sowie der Kunsttheorie und -vermittlung sowie die Umsetzung von fachdidaktischen Vermittlungskonzepten bei der Entwicklung von Schulbüchern und Lehrmaterialien.
Für Prof. Schulz ist die Frage, in welchem Verhältnis bestimmte kreativitätspädagogische Inhalte mit wissenschaftlichem Anspruch und damit verbundene Theorien, Thesen und Hypothesen zur täglichen pädagogischen Praxis stehen, Ausgangspunkt aller allgemein-wissenschaftlichen Überlegungen zum inhaltlichen Kern der Kreativitätspädagogik und zu den Möglichkeiten ihrer notwendigen Weiterentwicklung: „Jeder kennt die Forderung in Wissenschaftskreisen, Theorie und Praxis als Einheit zu sehen und zu verstehen und jeder weiß zugleich, dass das nur selten eingelöst wird. Hier kann man von einer lebendigen Einheit von Theorie und Praxis sprechen. Praxistheorie ist höchst dynamisch. Bestimmte konzeptuelle Leitgedanken werden in der Praxis realisiert, aber die entstehende Praxis wird sofort wieder reflektiert und wirkt auf die Ausgangsideen zurück.“zufügen

Kreativitätspädagogik und Praxistheorie

Die Inhalte werden also damit ständig korrigiert und differenziert. Gerade im komplexen Fachbereich der Pädagogik sei es wichtig, praxistheoretisch vorzugehen, so Schulz und fügt hinzu: „Und wir sprechen über Schule; gibt es etwas Komplexeres als Schule? Es handelt sich dabei geradezu um einen Schmelztiegel unterschiedlicher Subjekte, Lehrer, Schüler, Eltern, ein komplizierter Kontext aus Behörden, Verordnungen und eben auch aus Theorien. Große Schulpädagogen wie Wilhelm Rein oder Hartmut von Hentig hatten das längst begriffen. Der Reformpädagoge Wilhelm Rein war eben nicht nur seit 1912 Universitätsprofessor an der Universität Jena. Weil er eben nicht nur aus dem so genannten Elfenbeinturm heraus Schulentwicklung betreiben wollte, baute er ein Pädagogisches Seminar mit einer Übungsschule aus, das Weltruhm erlangte. Das zugrundeliegende Konzept funktionierte als wahre Praxistheorie. Das gilt ebenso für Hartmut von Hentig, dem wohl berühmtesten deutschen Pädagogen der Gegenwart, der seit 1974 an der Universität Bielefeld wirkte, zugleich aber die so genannte Laborschule ins Leben rief und deren wissenschaftlicher Leiter war.“

Seit Jahrzehnten wird weltweit über die Kreativitätspädagogik nachgedacht und geforscht und es gibt unterschiedliche Versuche, ihr in der Praxis gerecht zu werden. Wie dies alles in den jeweiligen Einrichtungen umgesetzt, weiterentwickelt, differenziert, sogar verändert wird, „das lässt sich nicht über einen Kamm scheren“, sagt Prof. Schulz, „Konzeptentwicklung findet nach dem praxistheoretischen Gedanken unmittelbar vor Ort statt, unter Mitwirkung zahlreicher Mitarbeiter.“

Die praktische Umsetzung der theoretischen Gedanken aus mehr als 100 Jahren Kreativitätsforschung fließt in diesen dynamischen Prozess ein. In den Einrichtungen des KreativitätsSchulzentrums bildet sich das eben nicht nur in der Raumgestaltung, in der Ausstattung und im Ablauf des Schulalltages ab, sondern in der konsequenten Verknüpfung unserer Krea-Fächer mit den Rahmenplänen der Regelfächer.

Unsere Kreativitätspädagogik