Religionsunterricht in der Kreativitätsschule? Ja.

Denken wir an Werke von Marc Chagall, Thomas Mann oder Bert Brecht so fällt auf, wie selbstverständlich sie sich mit biblischen Bildern, Gestalten und Metaphern auseinandersetzten. Hören wir Bach oder Händel, werden wir in eine Welt eingeladen, zu der selbstverständlich „der Himmel“ gehört. Und hören wir Gospelgesänge oder Soul, dann ahnen wir etwas von der Kraft und dem menschlichen Recht auf Freiheit, das verwurzelt ist in tiefer Religiosität.

Es macht uns reich, an dieser Kunst teilhaben zu können und wiederum gibt sie uns neuen Zugang zu Texten unseres religiösen und kulturellen Erbes.

Die Chance an diesem Reichtum teilzuhaben bieten wir unseren Kindern, wenn sie früh die Geschichten von Abraham , Isaak und Jakob, von Sara, Rebekka und Rahel (den Stammvätern und Müttern des Judentums, Christentums und des Islam) hören, wenn ihnen von Noah und Jona, dem Turm zu Babel, Josef und seinen Brüdern, Moses in Ägypten, Judith und Daniel erzählt wird. Das Erzählen ist eine alte orientalische Tradition, die der kindlichen Wahrnehmung in ihrer Bildlichkeit sehr entspricht.

Symbole und Metaphern werden so selbstverständlich und verständlich. Die Texte werden durch singen, tanzen, Theaterspiel, spielen, malen und basteln Erschlossen. Viele von ihnen zeigen Parallelen zum Alltag der Kinder. Die Gelegenheit zum Gespräch, zur Reflexion, dem Aufzeigen verschiedener Möglichkeiten und das Finden von guten Alternativen hat hier seinen Ort. Woher hat Picasso die Taube? Welche verschiedenen Kreuze gibt es, was bedeuten sie, wie alt sind sie? Warum ist auf Kirchtürmen ein Hahn, was bedeutet der Fisch an vielen Autos?

Das sind Fragen wacher Zeitgenossen, denen die Kinder hier nachgehen können.

Die Beobachtung, dass in unserem Kulturkreis jährlich bestimmte Feste Platz haben, wird durch die Arbeit am 2. Teil der Bibel mit den Geschichten um Jesus von Nazareth untermauert. Geschichten von ausgegrenzten Hirten, dem Betrüger Zachäus, Maria und Martha, dem ungläubigen Thomas, Maria Magdalena, von Saulus der zum Paulus wird und vom 1.Märtyrer Stephanus drehen sich um Weihnachten, Ostern oder Pfingsten. Der Ursprung der Feste lässt Vergleiche zu und den Blick auf den Festkalender des Judentums, des Islam und des Buddismus.

Der Blick wird weiter, wenn wir Synagoge, Kirche und Moschee besuchen. Und die Frage nach dem Messias, Christus, Propheten oder dem Menschen kann gestellt werden. Dies alles ist in unserer Stadt möglich!

Bei weiteren Exkursionen suchen wir Spuren aufrechten Handelns, weil sie Mut machen. So  ist z.B. von Dietrich Bonhoeffer, Otto Weidt und Wilhelm Krützfeld zu erzählen. Aber auch dunkle Seiten und blinder Hass in Vergangenheit und Gegenwart werden bei unseren Stadtspaziergängen wahrnehmbar.

Geht es um den Lampionumzug und das Martinsfest, so haben auch wir heutzutage die Möglichkeit zu teilen. Das ist nicht unbedingt ein Mantel. Bei einem Besuch in der Stephanusstiftung können wir etwas erfahren von Menschen, die mit Einschränkungen leben. Mit Alten und „Behinderten“ gemeinsam zu spielen und zu singen, kann für uns Teilen sein.

Ein liebender, nicht strafender Gott, ein lebensbejahendes Prinzip findet sich in biblischen Texten. Davon gehen wir im christlichen Religionsunterricht aus, das heißt von Werten und Grundlagen eines christlichen Welt- und Menschenbildes.

Ziel des Religionsunterrichtes ist es, Kinder allmählich zu befähigen ihre Religionsfreiheit mündig auszuüben.

Carla Mohs

Religionslehrerin

weitere Infos: www.ekbo.de